In Berlin: Erinnerungen bleiben

In meinem letzten Beitrag habe ich euch davon berichtet, dass meine Freundin und ich in Berlin eine kleine Reise in die Vergangenheit gemacht haben. An unserem ersten Tag haben wir uns etwas mit der Geschichte des geteilten Deutschlands beschäftigt. Der zweite Tag hatte einen bewegenderen Hintergrund – wir wollten mehr über das Berlin zur Zeit des Dritten Reichs erfahren. Daher haben wir uns für eine Free Walking Tour entschieden, die sich genau mit diesem Thema beschäftigt.

Eine Stadt voller Erinnerungen

Klar, wir haben uns auch schon zu Schulzeiten mit dem Dritten Reich und dem 2. Weltkrieg beschäftigt. Doch in einer Stadt zu sein, die stark durch diese Politik beeinflusst wurde und viele Spuren davon getragen hat, ist dann doch etwas ganz anderes. Bei der Free Walking Tour ging es um genau diese Spuren.

Erinnerungen rund um die Oranienburg Straße

Die Free Walking Tour startete auf der Museumsinsel. Der Tourguide gab zunächst eine Einleitung zum Dritten Reich, da unsere Gruppe aus Interessenten verschiedener Nationen bestand.

Der erste Stopp war ein Platz, wo früher das erste Seniorenheim für Personen mit jüdischem Hintergrund stand. Das Gebäude wurde während des Dritten Reiches als Zentrum für Deportationszwecke genutzt – das heißt, dass Menschen hier darauf warten mussten, in den Tod gefahren zu werden. Heute sind noch die Grundrisse des Gebäudes auf dem Boden zu sehen. Ein Denkmal, welches sich baugleich in Auschwitz befinden soll, erinnert an dieser Stelle an den Holocaust. Angrenzend befand sich bis zum Dritten Reich ein jüdischer Friedhof. Heute erinnert eine Mauer an die Abgrenzung zum ehemaligen Friedhof. Viele sehen hier wieder Gedenkstätte für die Verstorbenen – sie stapeln traditionell kleine Steine als Erinnerung an die Verstorbenen auf die Mauer.

Direkt in der Oranienburger Straße war der nächste Halt. Hier stand die einzige Synagoge, die die Nazis nicht zerstört haben. Sie wurde im 2. Weltkrieg jedoch ein Opfer der Bombardements der Alliierten. Nach dem Weltkrieg bauten die in Berlin verbliebenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde die Synagoge wieder auf. Sie prägt seitdem – mit ihrem markanten goldenen Dach – das Stadtbild. Heute wird die Synagoge nicht mehr als Gotteshaus genutzt; dort befindet eine Ausstellung zu ihrer Geschichte.

Erinnerungen am Bahnhof Friedrichstraße

Die nächste Station war der Bahnhof Friedrichstraße. Hier bin ich während meiner vorherigen Besuche bereits oft gewesen. Doch ich habe immer wieder ein Denkmal übersehen, welches in einer Seitenstraße am Bahnhof gelegen ist. Das Denkmal erinnert auf der einen Seite an die Kinder, die nach England gebracht wurden, um sie vor den Nazis zu schützen – die sogenannten Kindertransporte. Auf der anderen Seite an die Kinder, die deportiert und somit nicht gerettet werden konnten.

Erinnerungen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rückblickend ist es beschämend, dass so wenig Kinder retten werden konnten. Auf 2 Kinder, die durch die Kindertransporte in Sicherheit gebracht wurden, kamen mehr als 1.000 Kinder, die in Konzentrations- und Vernichtungslager umkamen. Und jetzt, wo ich über dieses Thema schreibe, stimmt es mich wieder traurig, dass man nicht mehr Kindern helfen konnte.

Erinnerungen im Regierungsviertel

Nach einer kurzen Fahrt ging es an einem anderen Ende der Stadt weiter. Dort, wo noch vor etwa 28 Jahren eine Mauer verlief, ist das heutige Regierungsviertel. Dieses ist ein Sinnbild für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Deutschland.

Das Detlev-Rohwedder-Haus, besser auch bekannt als das Bundesministerium für Finanzen, stellt ein Bürogebäude dar, welches zur Zeit des Nationalsozialismus als Reichsluftfahrtministerium erbaut wurde. Auch zur DDR-Zeit hatte es einen politischen Zweck und war das Haus der Ministerien. Seit 1999 ist es nun das Bundesministerium der Finanzen. Warum dieses Gebäude der Nazis nicht abgerissen wurde, darüber kann nur spekuliert werden. Ein nicht ganz abwegiger Gedanke kann dabei sein, dass man zeigen möchte, dass dort, wo einst Walküre und Gewalt herrschte, nun wieder die Demokratie Einzug gehalten hat.

Die Tour endete für uns an diesem Tag am Holocaust-Denkmal. Dieses Denkmal für die ermordeten Juden Europas gedenkt der rund 6 Millionen Juden, die während des NS-Regimes ermordet wurden. Das Mahnmal besteht aus etwa 2700 Beton-Stelen und wurde 2005 eingeweiht. In der direkten Umgebung gibt es auch weitere Denkmäler, die an im Dritten Reich verfolgten Homosexuellen sowie an die ermordeten Sinti und Roma erinnern.

Mahnmal für die ermordeten Juden Europas
Holocaust Denkmal

Normalerweise endet die Free Walking Tour am Reichstag. Doch an diesem Wochenende war es aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

 

Die Tour hat auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt. Auf keinen Fall möchte ich in einer Gesellschaft leben, wo Rechtsextremismus überhand gewinnt. Daher ist es wichtig, dass die Erinnerungen bleiben und uns zeigen, was ein solches Gedankengut anrichten kann.

Um kurz eins klarzustellen: Meine Freundin und ich sind an der Geschichte interessiert. Das heißt aber nicht, dass wir die Taten des NS-Regimes verherrlichen oder gut heißen. Es ist eher das Gegenteil. Wir fanden es traurig zu sehen, wo überall Zerstörung und Walküre gewaltet wurde.

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